Letzte Woche ein Gespräch mit einem Kunden. Der Tank ist noch zu drei Vierteln gefüllt. Eigentlich kein akuter Handlungsbedarf.
Und trotzdem die Frage:
„Soll ich jetzt kaufen – oder lieber noch warten?“ Eine einfache Frage.
In der aktuellen Situation jedoch alles andere als einfach zu beantworten. Seit dem Ausbruch des Iran-Konflikts vor rund 5 Wochen spielen die Märkte verrückt.
"Am Dienstag ist im Iran gleichzeitig Tag des Kraftwerks und Tag der Brücke", spielt Trump in seinem Post auf die beabsichtigte Zerstörung von Kraftwerken und sonstiger Infrastruktur Iran an und fährt fort: "Das wird ein unvergessliches Erlebnis! Macht endlich die verdammte Meerenge auf, ihr Wahnsinnigen, sonst werdet ihr in der Hölle schmoren – wartet nur ab!» Die Befürchtung, dass der Iran-Krieg damit eine weitere Eskalationsstufe erreichen wird, trieb die Preise an den Ölpreisen heute Morgen erneut nach oben, zumal weil eine Freigabe der Strasse von Hormus nun wieder unwahrscheinlicher werden dürfte.
Preise steigen, fallen, springen – teilweise innerhalb weniger Minuten. Gasoil bewegt sich aktuell zwischen 1’100 und 1’550 USD. Das entspricht Schwankungen von über 30 Franken pro 100 Liter. Zum Teil innerhalb von einer Woche. Offerten verlieren ihre Gültigkeit schneller, als sie beim Kunden ankommen. Planbarkeit? Kaum vorhanden.
Und genau hier beginnt die Unsicherheit: Jetzt kaufen oder abwarten? Kommt im Sommer zusätzlicher Preisdruck? Oder beruhigt sich die Lage wieder?
Und die Frage, die viele beschäftigt: Reicht das Öl überhaupt noch? Die Antwort darauf ist klar: Ja.
Die Versorgung in der Schweiz ist gesichert. Dank strategischer Pflichtlager.
Diese Reserven decken den Bedarf für mehrere Monate – auch in Krisenzeiten.
Ein System, das seit Jahrzehnten funktioniert und Stabilität in unsicheren Phasen schafft.
Und trotzdem bleibt das Gefühl: Der Markt ist nervös. Entscheidungen sind schwieriger geworden. Was heute als „hoch“ gilt, kann morgen bereits überholt sein. Und was wie ein schlechter Zeitpunkt wirkt, kann sich im Nachhinein als richtig herausstellen – oder umgekehrt.
Ein Blick zurück zeigt: 2022, nach Ausbruch des Ukraine-Krieges, sind die Preise noch deutlich stärker gestiegen als heute. Und haben sich wenige Wochen später wieder beruhigt.
Heute sehen wir: Die Terminpreise für Spätsommer und Herbst sind aktuell auf einem attraktiven Niveau. Doch was bedeutet das konkret? Frühzeitig sichern oder bewusst abwarten? Beides kann richtig sein. Beides kann falsch sein.
Denn die Wahrheit ist: Es gibt aktuell keine perfekte Strategie. Was es aber gibt: Erfahrung, Marktverständnis – und die Fähigkeit, auch in unsicheren Zeiten ruhige und fundierte Entscheidungen zu treffen.
Oder wie es der Kunde am Ende selbst gesagt hat:
„Am Schluss ist es immer auch ein bisschen Bauchgefühl.“
Und vielleicht ist genau das in solchen Phasen wichtiger denn je.
Börsendaten 07.04.2026 um 08:55 Uhr
ICE-Gasoil APR: 1565.25$
ICE-Brent JUN: 111.29$
NY-Rohöl WTI MAI: 114.80$
US-Dollar/CHF: 0.7987
Rheinfracht nach Basel: 32.00